Re: Therapie und Hausbesuche (Allgemein)
Hallo Medea,
Es ist gut und bewunderswert, dass Du Dich zu der Familientherapie entschlossen hast. Dass Du die Therapeutin nur ungerne in Deine Wohnung läßt, ist sehr gut verständlich. Damit hätten auch viele Cleanies Probleme. Denn die Wohnung ist ein wichtiger Rückzugsort, da läßt man nicht jeden rein. Außerdem werden in einer Therapie gerade vor allem unangenehme Dinge bespochen und die damit verbundenen Gefühle läßt man lieber (gefühlt-symbolisch) im Zimmer des Therapeuten zurück.
Bei Dir kommt auch noch die Unordnung dazu. Wie andere Messies hier im Forum schon sagen, ist es in Deiner Situation normal, dass Dinge liegen bleiben. Du bist berufstätige alleinerziehende Mutter, dazu wegen der Hartz IV Regeln trotz Berufstätigkeit noch bewerbungspflichtig. Dazu kommt noch der immense Papierkrieg mit der Arge, Formulare ohne Ende, der ganze Papierkram muss nicht nur bearbeitet sondern auch sorgfältigst abgeheftet werden. Dazu der Stress, dass die Arge den kleinsten Fehler strengstens bestraft. Und Deine Tochter braucht wegen ihrer Drogensucht zur Zeit auch noch besondere Zuwendung und Hilfe. Kein Wunder dass da einiges in Deiner Wohnung liegen bleibt. Es ist bewunderswert, was Du alles geschafft hast und dass Du in dieser schwierigen Situation auch noch aus Hartz IV wieder rausgekommen bist.
Deine Therapeutin wird es verstehen, dass Du sie nicht in die Wohnung lassen möchtest. Vielleichst ist es eine Chance, dass Du mit Ihr über alle Sorgen und Probleme sprechen kannst. Und auch über die Gefühle und alten Wunden, an die Du denkst, in dem Moment wo sie vorschlägt, Dich zu besuchen und warum Du meinst, Dein Chaos als Schutzwall aufgebaut zu haben.
Wenn Deine Tochter den starken Wunsch hat, mit der Therapeutin über das Chaos in der Wohnung zu sprechen, kollidiert dies mit Deinem Wunsch, dies zu verbergen und zu verschweigen. Da Du selbst auch lieber eine aufgeräumte Wohnung hättest, kann man, ohne Dir einen Vorwurf zu machen (der Tag hat nur 24 Stunden, Du tust was du kannst), davon ausgehen, dass Deine Tochter unter dem Zustand der Wohnung leidet. Wenn die Therapie für Deine Tochter erfolgreich sein soll, wäre es wahrscheinlich besser, wenn sie mit der Therapeutin darüber reden kann. Denn Deine Tochter hat niemanden sonst (außer Dir und Deiner anderen Tochter) um darüber zu reden. Ich nehme an, dass sie wahrscheinlich aus Loyalität bisher mit niemanden außerhalb darüber geredet hat.
Für Dich kann es eine Chance sein, dass Du durch Deine Tochter mehr oder weniger gezwungen bist, mit der Therapeutin über das Thema chaotische Wohnung zu reden. Obwohl richtig gezwungen bist Du nicht, auch wenn Deine Tochter fortan bei jeder Therapiesitzung darüber reden würde, kannst Du Dich immer noch dazu entscheiden, für Deinen, nur Dich selbst betreffenden Teil, nicht darüber zu reden. Eine gute Therapeutin respektiert das und richtet sich nach Deinem Tempo (und dem Deiner Töchter). Und es ist immer gut daran zu denken, dass die Therapeutin Schweigepflicht hat. Dir kann also nichts passieren. Das ist natürlich leicht so dahergeschreiben, selbst betroffen sein ist eine ganz andere Sache. Ich möchte Dir Mut machen. Gerade dafür ist eine Therapie doch da, dass man Sorgen und Probleme anprechen kann, worüber man mit (beinahe) niemanden sonst reden kann, um an einer Lösung und für eine bessere Zukunft zu arbeiten.
Ich wünsche Dir und Deinen Töchtern alles Gute und viel Erfolg mit der Therapie.
Grüße,
Sabine
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- Therapie und Hausbesuche -
Medea,
23.02.2009, 00:16
- Re: Therapie und Hausbesuche - vielleicht hilfts aber auch -
Xandria,
23.02.2009, 08:01
- Re: Therapie und Hausbesuche - vielleicht hilfts aber auch - Medea, 24.02.2009, 09:46
- Re: Therapie und Hausbesuche - Odille, 23.02.2009, 11:16
- Re: Therapie und Hausbesuche -
BigBird,
24.02.2009, 12:27
- An BigBird - Medea, 25.02.2009, 00:54
- Re: Therapie und Hausbesuche - Sabine, 25.02.2009, 20:24
- Re: Therapie und Hausbesuche - vielleicht hilfts aber auch -
Xandria,
23.02.2009, 08:01