Re: Montag @Marle - welchen Namen trägt die Angst? (Allgemein)

Odille, Donnerstag, 11.03.2010, 11:03 (vor 5798 Tagen) @ MarLe

Liebe Marle,

ich bewundere, dass du an den Angstpunkt rangegangen bist.

oh, einer von vielen.

Wünsche mir, ich könnte das öfter schaffen.
Aber die "Angst" ist zu groß.

Die Angst wovor genau?

Ich habe bei mir nachgeforscht: es ist nicht der Brief der mir Angst macht. Auch nicht die unangenehme Nachricht darin. Selbst wenn ich eine Rechnung nicht bezahlen kann, habe ich ja Handlungsmöglichkeiten, das finanziell nicht weiter eskalieren zu lassen. Sprich: Nicht der Brief oder die Nachricht darin bedrohen mich. Es steht keiner mit einem Messer an der Kehle bei mir. Trotzdem fühlt es sich so an. Das ist aber nicht der Brief. Das sind die alten Gefühle aus meiner Kindheit - die gnadenlose Hilflosigkeit die ich als Kind als Opfer elterlicher Gewalt erlebt habe. DAS Gefühl hat mich dann. Dafür ist der Brief der Trigger. Für micht steht das auch so ein bisschen dafür " ich muss den aufmachen" - das erinnert mich an all das, was ich als Kind musste (obwohl es grausam, idiotisch oder sinnlos war- es gab keine Diskussion, keine Möglichkeit dem Grauen auszuweichen. Und JETZT kann ich aber ausweichen - da kommt die innere Rebellion "ich will das nicht" (bezogen auf äussere Zwänge, äussere Gewalt). Und da steht dann das Verweigern der Post und den sich daraus ergebenden Tätigkeiten als Synonym für die Möglichkeit sich abzugrenzen, die ich früher nicht hatte.

Das dies dann an völlig falscher Stelle ausgelebt wird auf eine Art und Weise mit der ich nicht für mich gut sorge, merke ich erst später.

Fazit: es ist nicht der Brief, der das Problem ist. Auch nicht die Tätigkeiten oder unangenehmen Wahrheiten (Geld auf dem Konto?) die damit dran hängen. Es sind die Gefühle, die diese Situation in mir antriggert. Das Gefühl der Ohnmacht.

Und so "dumm" es sich anhört - in diesem "ich bin machtlos" - Gefühl fühlt ein Teil von mir sich immer noch auf eine perverse Art und Weise zu Hause. Weil es das war, was ich als Kind in einer frühen Prägungsphase als zu Hause erlebt habe.

Puuuuhhhh. Zeit, wieder ein stück weit heiler und erwachsener (im positiven Sinn) zu werden.

Ich drück Dich mal lieb.

Und - ganz nebenbei bemerkt: ich kann mich mittlerweile auch lieb haben mit den Dingen, die ich aktuell nicht kann. Egal aus welchem Grund.
Ich sage dann z.B. laut zu mir "Ich habe mich lieb dafür, dass ich Probleme mit dem Postaufmachen habe". Hört sich komisch an, hilft mir aber.

Und DICH kann ich auch MIT Deiner Angst liebhaben und wertschätzen, liebe Marle.

Geschrieben wie spontan gedacht und nicht mehr kontrolliert. Mag wirr sein. Ich hoffe, etwas davon kommt an.

Küsschen, Odille


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