Re: OT: Imaginäre Freunde (Allgemein)
Hallo Xandria,
ich habe mal geschaut, was das web an Informationen so hergibt (Suchstichwort: "imaginäre Freunde").
Ein Übersichtsartikel im Schweizer Tagesanzeiger:
http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/medizin-und-psychologie/Der-imaginaere-Freund-in-der...
In der Zeitschrift "Gehirn und Geist" ist ein Fachartikel erschienen,
hier textlich verfügbar:
http://www.schattenblick.de/infopool/sozial/psychol/spjug082.html
Die Vorlage dazu war wohl eine Veröffentlichung der Universität Mainz (pdf-Format):
http://www.psych.uni-mainz.de/abteil/epp/pdf/Imaginaere_Gefaehrten.pdf
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Querverbindungen gibt es auch zum Thema Religion;
Zitat: ..."Die Imaginär-These: Die persönliche Beziehung zur bevorzugten Gottheit ist identisch mit der persönlichen Beziehung zu einem imaginären Freund."
Quelle: eine 3-teilige Serie im weblog: http://glaube-ist-heilbar.blogspot.com/2010/02/dein-imaginarer-freund.html
Dazu auch ein Focus-Artikel:
http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/odenwalds_universum/frage-von-gottfried-bauer-g...
Siehe dort den Absatz "Der evolutionäre Vorteil imaginärer Freunde"
Auch der Glaube an "Schutzengel" und "gute Geister" zählt hier zu den
Lebensbewältigungsstrategien mithilfe imaginärer Freunde
(aus einer skeptischen Sicht).
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Gut fand ich auch folgende 2 Artikel, die den Bogen schlagen zu Alltagserfahrungen in der Wahrnehmung von imaginären Freunden wie Romanfiguren , Fernsehserien-"Helden", von Jugendlichen angeschwärmten Popidolen:
http://www.brandeins.de/archiv/magazin/machs-dir-nicht-zu-einfach/artikel/dein-bester-f...
und den Artikel: "Lust, Attrappenwirkung und affektive Bindung"
http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=10266
Teilzitat aus dem etwas "spröderen", letzteren Artikel:
"Affektive Bindung
Warum ist es manchmal traurig, auf der letzten Seite eines Romans anzugelangen, auch wenn der Roman gut ausging und man den Helden in bester Obhut seines glücklichen Geschicks weiß? Ein Aspekt unserer emotionalen Reaktion auf fiktionale Welten scheint durch das Modell der Attrappenwirkungen noch nicht ausreichend abgedeckt: der Umstand nämlich, dass wir nicht nur im Moment der Lektüresituation auf die gerade dargebotenen Attrappen reagieren, sondern dass wir auch über den eigentlichen Rezeptionsprozess hinaus quasi ,mit den Figuren leben' und zum Beispiel traurig sind, wenn sie - durch das Ende eines Films oder Romans - ,aus unserem Leben scheiden'. Zu den Attrappenwirkungen gehören offensichtlich auch Reaktionen aus dem Bereich unseres affektiven Bindungsverhaltens. Wir akquirieren in der Kunstrezeption auch neue Bekannte, ja neue Freunde, im Extremfall sogar ,verwandte Seelen'.
Der Soziologe Satoshi Kanazawa (2002) hat die Zufriedenheit einiger Amerikaner mit ihrem sozialen Umfeld untersucht und dabei festgestellt, dass Leute, die viel fernsehen (also eigentlich weniger tatsächlichen Umgang mit Freunden haben) nicht unzufriedener sind, sondern, wenn sie bevorzugt ,Daily Soaps' konsumieren, sogar eine höhere Zufriedenheit äußern als Leute, die wenig fernsehen und intensive Kontakte mit einem Freundeskreis pflegen. Er führt dies darauf zurück, dass unsere sozialen Bindungsadaptationen nicht grundsätzlich zwischen tatsächlichen und ,virtuellen' Freunden unterscheiden. In der Umwelt unserer Vorfahren sei jeder, über den wir viel wissen und mit dem wir viel erleben - wie die Alltagsmenschen der Fernsehserien oder die Prominenten in der Talkshow -, auch ein bindungsrelevantes Gruppenmitglied gewesen. Die einseitige Bekanntschaft mit Prominenten (die wir kennen, aber die uns nicht kennen) oder die virtuelle Bekanntschaft mit fiktiven Personen seien in unserem sozialen Bindungsverhalten so nicht vorgesehen. Entsprechend zählen wir solche ,imaginären Freunde' unbewusst zu unserer sozialen Nahwelt, und die soziale Wärme der Daily Soaps strahlt gewissermaßen bis ins Wohnzimmer. "
Zu imaginären (Dauer-)Gefährten bei Erwachsenen sind die Aussagen sehr spärlich und weisen auf gravierendere Ursachen hin,
z.B. "Most children grow out of imaginary friends, Newman says. But in some cases an imaginary friend can emerge in adulthood, usually in response to trauma, inability to cope with stress and sometimes psychotic illness.
In rare cases some adults develop what's known as Doppelganger syndrome, which occurs when they believe a twin or invisible friend accompanies them.
"Other people believe in angels and guardian angels, and they don't think there's anything out of the ordinary about that," she says."
aus dem englischsprachigen Artikel:
http://www.abc.net.au/science/news/stories/s1628324.htm
Grüße, 7s
(zu meinen Einsamkeitsbewältigungsstrategien gehört auch die Dauerberieselung durch TV und Radio, "sanfte Süchte" nennt Küstenmacher ("simplify...") solche Ersatzbefriedigungen, die auf Defizite hinweisen...)
gesamter Thread:
- OT: Ein lebenlanges Problem neben dem Messietum -
Xandria,
28.02.2010, 17:46
- Re: OT: Ein lebenlanges Problem -
Micha,
28.02.2010, 18:06
- Re: OT: Ein lebenlanges Problem - Xandria, 28.02.2010, 18:19
- Re: OT: inneres Team -
Siebenschläfer,
04.03.2010, 17:53
- ist ja irre... - Birgit, 04.03.2010, 18:48
- Re: OT: Ein lebenlanges Problem neben dem Messietum - ChaosQueen, 28.02.2010, 19:17
- Re: OT: Ein lebenlanges Problem neben dem Messietum - Mila, 28.02.2010, 22:34
- Re: OT: Ein lebenlanges Problem neben dem Messietum - Odille, 01.03.2010, 10:43
- Re: OT: Ein lebenlanges Problem neben dem Messietum -
Wolfram,
01.03.2010, 11:43
- OT: @Wolfram Ratschläge -
MarLe,
01.03.2010, 12:17
- Re: OT: @Wolfram Ratschläge - Wolfram, 01.03.2010, 14:38
- OT: @Wolfram Ratschläge -
MarLe,
01.03.2010, 12:17
- Ein lebenlanges Problem - Mala, 02.03.2010, 12:19
- Re: OT: Ein lebenlanges Problem neben dem Messietum -
Rumpel,
03.03.2010, 01:46
- Re: OT:Lauftreffs. - Xandria, 05.03.2010, 21:09
- Re: OT: Imaginäre Freunde - Siebenschläfer, 03.03.2010, 14:35
- Re: OT: Ein lebenlanges Problem neben dem Messietum -
muecke,
04.03.2010, 09:06
- Nachtrag - muecke, 04.03.2010, 09:11
- Herzlichen Dank -
Xandria,
05.03.2010, 20:14
- Re: Herzlichen Dank -
Ingo,
09.03.2010, 03:39
- @ Ingo - Xandria, 09.03.2010, 14:15
- Re: Herzlichen Dank -
Ingo,
09.03.2010, 03:39
- Re: OT: Ein lebenlanges Problem -
Micha,
28.02.2010, 18:06