Vorstellung einer alten Neuen ;-) (Allgemein)

Madre, Freitag, 19.12.2008, 23:23 (vor 6244 Tagen)

Hallo,

ehrlich gesagt weiß ich jetzt nicht so ganz wie ich anfangen soll. Vor langer Zeit habe ich hier schon öfter mal mitgeschrieben
Ich war vermüllt und zwar so richtig- inklusive Ungezieferproblem und sogar Mäusen in der Wohnung
Dann wurde ich schwanger - und habe daraufhin dann die Notbremse gezogen. Ich hatte vorher nie die Kraft dazu gehabt aber in der Schwangerschaft war dann klar: Dein Kind wird nicht im Müll aufwachsen!!!

Jedenfalls - ich habe die Sachen gepackt die noch einigermaßen passabel waren - das meiste war es nicht mehr - verdreckt oder kaputt, ungeziefer-zerfressen usw... Richtig, richtig schlimm. Den Rest habe ich nicht behalten.

Ca. 90 Prozent meiner Sachen bin ich so losgeworden
Jedenfalls bin ich dann umgezogen - noch während der Schwangerschaft - und habe jetzt eine Wohnung in der vor allem ein Grundsatz gilt: Nicht zu viel Kram rein! Und: Sauberkeit ist das a und o. Vor allem lebe ich jetzt in einer eigenen Wohnung im Haus meiner Mutter und daher habe ich Besuch - was ich früher jahrelang nicht hatte - da durfte niemand mehr die Wohnung betreten.

Ich schaffe das jetzt im Moment ganz gut - bin nicht vermüllt, es ist hier wenigstens einigermaßen sauber (mein Sohn ist ein Krabbelkind und sammelt jede Staubflocke auf die ich übersehe - in gewissem Sinne "erzieht" er mich jetzt ganz gewaltig zur Sauberkeit) und für meine Verhältnisse geradezu ordentlich - aber kämpfe doch zwischendurch immer wieder mit alten Problemen wie dem, dass ich Unordnung einfach nicht wirklich wahrnehme - sie stört mich einfach nicht wirklich...

Das heißt, Aufräumen dauert schon deshalb doppelt so lange weil ich darüber nachdenken muss, was jetzt eigentlich die Unordnung ausmacht... denn ich sehe einfach nur "zu viele Sachen die irgendwo stehen". Ob sie am falschen Ort sind - nun ja, was ist schon ein "falscher Ort"? - Ich habe echt ein Problem damit, feste Orte für bestimmte Dinge festzulegen - auch das übe ich im Moment und es klappt ganz gut - aber es dürfen immer nur nach und nach ein paar Dinge sein, sonst vergesse ich die Grundstruktur nach ein paar Tagen schon wieder.

Beim Spielzeug bzw den Büchern meines Sohnes habe ich dieses Problem zum Glück nicht so... komischerweise. Die werden abends normalerweise immer richtig weggeräumt und haben auch die festen Plätze wo sie hingehören.

Ich kämpfe aber immer noch mit mir - um eine vernünftige Tagesstruktur, um Ordnung, um Sauberkeit, vor allem aber um meine seelische Balance - ich habe leider immer wieder Depressionen und möchte natürlich nicht, dass mein Kind darunter leiden muss. Mal geht es mir richtig lange richtig gut - euphorisch richtiggehend - und dann wieder wochenlang depressiv. Ich kenne jemanden der manisch-depressiv ist und manchmal habe ich richtig Angst, dass das bei mir auch so sein könnte.... einfach weil ich echt so zwischen den Extremen hin- und herschwanke.

Ich bin aber auch in Kontakt mit einer Psychologin - unternehme also was dagegen.

Ach ja: Ich bin alleinerziehend, musste mich leider vom Vater des Kindes trennen (nicht mein ehemaliger Mitbewohner, jemand anders) als ich im fünften Monat war: Er meinte mit seiner Ex in den Urlaub fahren zu müssen... und noch so einiges anderes. Und das, wo es doch ein Wunschkind von uns beiden war
Ich habe eine Menge zu verarbeiten aber mein Sohn gibt mir jetzt enorm viel Kraft und vor allem bin ich schon jetzt enorm Stolz, mich zu der Entscheidung durchgerungen zu haben, dass ich eben auf meine Sachen verzichte. Das ist mir immer unmöglich gewesen - bis ich meinen Sohn hatte.

Jetzt kann ich das... mein neuer Leitspruch ist: Man ist was man *ist* - nicht das, was man *hat*.

Und ich komme daher auch jetzt schon sehr viel besser mit dem Gedanken klar, dass ich so viel verloren habe - sowohl materiell als eben auch emotional.

Aber - ich habe irgendwie das Gefühl, meinen Sohn gegen meine ganzen Sachen eingetauscht zu haben.

Und - wenn man mir vor drei Jahren die Frage gestellt hätte "möchtest Du lieber Deine ganzen dreckigen Sachen behalten oder ein Kind bekommen" - die Antwort wäre total klar gewesen, ja mehr noch: Ich hätte es wohl so empfunden, dass es eher ein Geschenk des Himmels ist, wenn mir das "Schicksal" aufzwingt endlich Nägel mit Köpfen zu machen und mich von meinen Sachen zu trennen.

Und ein Geschenk des Himmels ist mein Sohn - denn ich habe seit meiner Teenagerzeit schon immer wieder von Ärzten gehört, dass ich wahrscheinlich niemals schwanger werden würde - und wenn, sowieso nur mit Hormonbehandlung. Und dann war ich es einfach so: Das Beste, was mir je passiert ist

So, das war jetzt mein "Vorstellungsroman". Ich hoffe in Zukunft wieder öfter hier schreiben zu können - ich war früher als ich noch vermüllt war, auch schon mal hier, aber immer wieder nur ganz kurz - habe mich nicht so richtig getraut, weil es bei den meisten eben dann doch noch nicht ganz so heftig aussieht wie damals bei mir.

Und heute... geht es zwar besser, aber ich habe dennoch einen langen Weg vor mir. Vor allem weil ich meinem Sohn ja auch ein Konzept von Ordnung beibringen muss und ihm eine schöne Kindheit bieten
Allen wünsche ich jetzt erstmal Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch -ich weiß nicht, wie schnell ich wieder dazu komme, zu schreiben.

LG

Madre


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