Guten Morgen, liebe Mücke,
ich schliesse mich Marle an, das IST Arbeit. Und zwar viel härter als die im Aussen!
Das mit der Verknüpfung von Innen- und Aussenarbeit war früher bei mir so:
Viel Innenarbeit = nix an Aussenarbeit.
Das war für mich für den "Anfang" okay. Ich hab irgendwann nur gemerkt, dass es mir im Aussen im Grunde schon viel besser ging, als es aussen aussah, ich mich aber mit dem "ich mach ja sooo viel Innenarbeit" vor der Arbeit im Aussen drückte.
Schwierig, diese Grenze zu erkennen. Denn es ist bis heute so geblieben: wenn es mir seelisch schlecht geht, hab ich zunächst die TENDENZ erstmal im Aussen auch alles zu vermüllen (quasi, das AUSSEN dem INNEN anzupassen). Dann bin ich manchmal auch "einfach nur" faul (ich darf das zu mir sagen! Ich hab mich nämlich auch lieb, wenn ich faul bin *g*) und es gibt gar keine Gründe, nichts im Aussen zu tun, ich steh dazu, es gibt eben Dinge, die ich höchst ungern tue und da psychologisier ich mich auch nimma. Ich mag nunmal kein Tisch abräumen oder Küche bben. Das macht mir einfach keinen SPASS. Basta. (ja, die saubere Küche dann schon....lach...und ich motiviere mich ja dann auch dafür)
Worauf ich hinaus will: dieses "wie innen, so aussen" funktioniert auch andersrum. Ich hab gemerkt, wenn ich im Aussen aufräume, ist auch - ich bleib mal bei Deinem schönen Bild - mein "Seelenschrank" hernach ein kleines bisschen aufgeräumter.
Und ansonsten: Du erwartest bestimmt nicht, dass Deine Therapeutin an nem Zauberring dreht und *simsalabim* ist Dein Seelenschrank tip top. Komischerweise erwartete ich das aber oft von meiner Wohnung....Grins. Dabei braucht alles seine Zeit. Aussen WIE Innen.
Rückblickend kann ich aber sagen: die Jahre der Theraphie haben sich sehr gelohnt, es war die beste Zeit- und Geldinvestition, die ich je gemacht habe. Einfach weil ich mit dem Abenteuer, was sich Leben nennt, nun ganz anders umgehen kann. Auch mit meiner eigenen grausamen Kindheitsgeschichte.
Und das ist verdammt viel Wert.
Mir gefällt, was das anbelangt, aus dem Tibetischen Buch vom Leben und Sterben (sinngemäss, hab jetzt keine Lust zu googeln) dieses Gedicht sehr gut, weil es die Thematik der Seelenentwicklung, des Hinfallens und wieder aufstehens so gut beschreibt:
<font color=blue>
Ich gehe eine Straße entlang
Da ist ein tiefes Loch in Gehsteig.
Ich falle hinein. Ich bin verloren.Ich bin ohne Hoffnung.
Es ist nicht meine Schuld.
Es dauert endlos, wieder herauszukommen.
Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich tue so, als sähe ich es nicht.
Ich falle wieder hinein.
Ich kann es nicht glauben,
schon wieder am gleichen Ort zu sein.
Aber es ist nicht meine Schuld.
Immer noch dauert sehr lange, herauszukommen.
Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich sehe es.
Ich falle immer noch hinein... aus Gewohnheit.
Ich weiß wo ich bin. Es ist meine eigene Schuld.
Ich komme sofort wieder heraus.
Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich gehe darum herum.
Ich gehe eine andere Straße.</font>
Und genauso läufts, wenn man "dran" bleibt und nicht im Loch sitzenbleibt.Rückschläge gehören manchmal dazu. Aber zu einer Niederlage werden sie erst dann, wenn man aufgibt. Ich wünsche Dir viel Mut und Gutes Vorankommen. Es lohnt sich. Immer.
Lieben Gruss, Odille